Mit Andreas Fröhlich im Labyrinth der Träumenden Bücher

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Ich bleibe dabei: dieser Mann soll mich gefälligst heiraten und mir dann für den Rest meines Lebens vorlesen. Und wenn es nur das Telefonbuch oder der neue IKEA-Katalog ist. Dem ein oder anderen ist es vielleicht hier und da schon aufgefallen, dass meine Wenigkeit ziemlich auf den werten Herrn Fröhlich und insbesondere auf seine Stimme abfährt (salopp gesagt, und vielleicht sogar noch etwas untertrieben). Ich kann nicht zählen, wieviele Stunden ich schon mit aufmerksamen Zuhören verbracht habe, wie oft ich mit ihm ins Bett gegangen bin, wieviele langweilige Autofahrten, sich scheinbar endlos auftürmende Berge von Bügelwäsche, schlaflose Nächte und nicht zu vergessen sämtliche sonstigen Stunden der Langeweile ich mit tollen Geschichten verbracht habe… (mein iTunes verrät mir an dieser Stelle nur soviel, dass ich theoretisch 10 Tage am Stück nichts anderes hören könnte… und da sind die ganzen Projekte, wo er neben anderen mitgewirkt hat, also z.B. Die drei ???, DODO, … noch nicht mit einberechnet, hihi.) Seine Stimme lässt einen tief eintauchen in die Wortwelten und ist dabei immer wieder anders und unglaublich fesselnd. ln einem Interview habe ich mal gelesen, dass Andreas Fröhlich Hörbücher als eine kleine Eskapistendroge bezeichnet – und Recht hat er.

Jedenfalls, für mich war der letzte Montag ein ganz besonderer Tag. Der gute Mann gastierte in Münster und entführte uns nach Zamonien – genauer gesagt in Das Labyrinth der Träumenden Bücher. In der dortigen Thalia-Filiale fand eine Lesung aus Walter Moers neustem Roman statt. Und, was soll ich sagen? Es hat sich mehr als gelohnt, es war wirklich toll! Andreas las eine knappe Stunde und plauderte dann noch etwas aus dem Nähkästchen. Zum Schluss gab es eine kurze Fragerunde und natürlich die Gelegenheit, sich ein Autogramm zu holen bzw. mitgebrachte Dinge signieren zu lassen, Fotos zu machen und ein wenig mit dem Hörspieler (wie er sich selbst bezeichnet) zu quatschen.

Vorgelesen wurde das erste Kapitel (Eine Überraschung) und dann nach einem „kleinen Sprung“ (von knapp 400 Seiten) die beiden letzten (Das Unsichtbare Theater und Das Labyrinth der Träumenden Bücher), also das Ende. (Wer das Buch bzw. Hildegunst von Mythenmetz und seine berühmte Abschweifung nicht kennt, dem mag es vielleicht etwas merkwürdig vorkommen, dass auf so einer Veranstaltung ausgerechnet die letzten Kapital vorgetragen und somit das Ende verraten wird…  lest und ihr werdet es verstehen! Ich habe diese Auswahl als gut gewählt und stimmig empfunden.)

Andreas Fröhlich gibt – wie bei ähnlichen Produktionen des Genres – jeder Figur eine ganz eigene Stimme und Sprechweise mit artikulatorischen Eigenheiten, ohne dass es zu überdreht oder albern wirkt: der quäkende Zwerg, dessen redundante Zwischenrufe („Ich kenne den Dicken!“) schnell zum Running-Gag wurden, der etwas dubiose wirkende lispelnde Nebelheimer, der schweigsam-einsilbige grünbärtige Druide und nicht zuletzt Hildegunst von Mythenmetz selbst, dessen Exzentrik wunderbar in Fröhlichs Stimme anklingt und durch die Erzählung führt. Das so souverän die ganze Zeit durchzuhalten finde ich wirklich bewundernswert. Und obwohl er ja nun schon eine ganze Reihe phantastischer Literatur eingelesen hat, habe ich nicht den Eindruck, dass sich Stimmen doppeln oder total gleich anhören, erstaunlicherweise! Auch der Begriff des „Hörspielers“ wird einem schnell klar, wenn man sich Hörbücher wie dieses anhört: Andreas Fröhlich liest nicht einfach in guter Märchenonkel-Manier vor, sondern inszeniert jede Figur regelrecht wie bei einem Ein-Mann-Hörspiel, sodass beim Zuhören ein buntes Theater im Kopf entsteht, quasi ein Film für die Ohren.

Ein paar interessante Dinge am Rande, die Andreas Fröhlich erzählt hat und die mir jetzt noch einfallen:

  • Der nächste Teil der Zamonien-Reihe wird Das Schloss der Träumenden Bücher heißen und „wahrscheinlich 2018 erscheinen“ (bevor jetzt die Terminkalender gezückt werden – dieser Kommentar spielt wohl darauf an, dass von der Veröffentlichung zwischen der Stadt und dem Labyrinth ebenfalls mal gerade sieben lange Jahre vergangen sind)
  • Bei der Aufnahme zum Labyrinth hat er im Durchschnitt 2 CDs am Tag eingelesen
  • Die von Dirk Bach gelesenen Hörbücher hat er sich übrigens nie angehört (Dirk Bach hat die ersten vier Zamonien-Bücher eingelesen; der Sprecherwechsel zu Andreas Fröhlich erfolgte 2007 mit dem Schrecksenmeister nach Angaben des Hörverlags auf Wunsch von Walter Moers persönlich)
  • Seit seinem ersten Zamonien-Hörbuch bekommt er zu Weihnachten immer ein Paket von Walter Moers (Rotwein und Kekse)
  • Er mag besonders gerne Ich-Erzählungen –  weil er sich besser in den Text hineinversetzen kann (das zeigt sich ja bereits in seiner Edition Handverlesen recht deutlich)
  • Spätestens nach dem 15. Versprecher bekommt er einen cholerischen Anfall und braucht eine Pause
  • Andreas Fröhlich ist Autodidakt – als Kind konnte er sehr schlecht lesen und las zu der allgemeinen Erheiterung seiner zuhörenden Mitmenschen oft Dinge, die da so gar nicht standen („Rapunzel, lass dein Harn herunter“, so geschehen beim bundesweiten Vorlesewettbewerb 1976/1977 – eine weitere Anekdote: gewonnen hat diesen Wettbewerb in jenem Jahr natürlich Oliver Rohrbeck)
  • Eine richtige Sprech- oder Schauspielausbildung hat er nie gemacht, sondern ist wirklich einfach als Kind in die ganze Szene reingerutscht (angefangen beim Kinderchor über Aufklärungssendungen im Radio zur Synchronisation und Hörspiele, später dann auch TV-Serien und Theater)
  • Eigentlich sollte er erst Peter sprechen, aus oben genannten Gründen besetzte Heikedine Körting ihn nach den ersten Aufnahmen kurzerhand direkt zu Bob um, weil dieser erst später den ersten Auftritt und insgesamt weniger Text hatte (auch nachzulesen in Die drei ??? – 30 Jahre Hörspielkult)
  • Am Anfang war das Tollste an den Aufnahmen für ihn der Tomatensaft im Flugzeug von Berlin nach Hamburg & der Affe im Schlafzimmer von Frau Körting
  • Es wird eine neue Livetour der drei Fragezeichen geben, voraussichtlich im Frühjahr 2014 (Juchei! Was, wie, wo stattfinden wird und alles andere steht aber noch nicht fest!)
  • Nachdem er in Münster 5, 6 Mal von verschiedenen Fahrradfahrern angefahren worden ist, hat er sich „bewaffnet“ und ein weißes Klappfahrrad gekauft! (Was ihn nach eigener Aussage jetzt in den nächsten Jahren immer an Münster und diese Lesung erinnern wird ^.~ Aber pfui, Münsteraner Radler! Wie zur Hölle kann man nur Andreas Fröhlich umfahren!?!? Ich glaube, da setze ich mal Frank Thiel & Karl-Friedrich Boerne drauf an…)

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