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Am 30.9. wurde eine neue Folge der Hörspielserie „Die drei ???“ veröffentlicht. Unsere drei Lieblingsdetektive müssen ihren 149. Fall lösen: Der namenlose Gegner.

Cover der Folge 149 Die drei ??? - Der namenlose Gegner

Inhalt:

In dem sonst so idyllischen Ort Seven Pines droht ein Nachbarschaftskrieg auszubrechen. Die aufgebrachten Anwohner bitten die drei ??? um Hilfe. Doch Bob wird bei einer nächtlichen Rettungsaktion verletzt und verliert das Bewusstsein. Als er wieder zu sich kommt, weiß er nicht mehr, wer er ist! Das nutzt ein alter Feind der drei ??? gnadenlos aus. Während der dritte Detektiv nun auf unerwartete Abwege gerät, bekommen Justus und Peter es mit einem gefährlichen Gegner zu tun. Schnell wird aus einem scheinbar harmlosen Routinefall eine harte Probe für das berühmte Trio aus Rocky Beach – womöglich die härteste, die es bisher für sie gegeben hat…

Sprecherliste:

  • Erzähler: Thomas Fritsch
  • Justus Jonas: Oliver Rohrbeck
  • Peter Shaw: Jens Wawrczeck
  • Bob Andrews: Andreas Fröhlich
  • Cynthia McGowan: Luise Lunow
  • Inspektor Cotta: Holger Mahlich
  • Mr. Andrews: Henry König
  • Mrs. Andrews: Konstanze Ullmer
  • Skinny Norris: Andreas von der Meden
  • Mina Parker: Annabelle Krieg
  • Brandon Fraser: Tim Grobe
  • Beatrix Fraser: Sophie Lechtenbrink
  • Roxy: Julia Fölster
  • Josh: Volker Hanisch
  • Paul: Tim Kreuer
  • Davis: Frank Meyer-Brockmann

Über die Mitwirkenden:

Die 149. Folge Der namenlose Gegner basiert auf dem gleichnamigen Buch von Kari Erlhoff, eine der neueren Autorinnen aus der aktuellen KOSMOS-Riege. Es ist der mittlerweile vierte Band aus ihrer Feder.

Für die Umsetzung als Hörbuch zeichnet sich wie schon so oft das bekannte Trio bestehend aus André Minninger (Buch, Effekte), Wanda Osten (Redaktion, Geräusche) und Heikedine Körting (Regie, Produktion) verantwortlich.

Meine Meinung:

!Achtung, Spoiler!

Ohne jetzt das Buch gelesen zu haben – die Grundidee finde ich total spannend. Einmal die drei ??? nicht als geschlossene Einheit, sondern stellenweise gegeneinander agieren zu lassen – das gab es in dieser extremen Form bisher noch nicht. Nachdem Bob nach einem Unfall (mal wieder :-)) an Amnesie leidet, nutzt ihr Erzfeind Skinner Norris die Situation aus und erschafft mit Stan eine völlig neue Person, die angeblich ein guter Freund von ihm, mindestens kleinkriminell und Dingen wie Alkohol und Nikotin nicht abgeneigt ist. Wer ist Freund und wer ist Feind? Worüber kann man gesichertes Wissen haben, wenn nicht über die eigene Identität? Worauf kann man sich in so einer Situation eigentlich noch verlassen? Das sind in meinen Augen sehr spannende Ansätze und Möglichkeiten – die in der Umsetzung dieses Hörspiels leider nicht vollständig ausgeschöpft wurden, aber für einen Jugend-Krimi sind diese Fragestellungen vielleicht auch etwas hoch gegriffen. Trotzdem ist die Grundlage ein durchaus innovatives Konzept, einfach mal etwas Anderes im Die-Drei-???-Kosmos – was ich sehr begrüßenswert finde!

Neben den drei Stammsprechern gibt sich dieses Mal einmal wieder die wunderbare Luise Lunow die Ehre. Meine absolute Lieblingsomi unter allen Stimmen dieser Welt.

Ansonsten gibt es von meiner Seite aus an den Sprecherleistungen und der akustischen Untermalung fast nichts zu meckern. Insgesamt wirkt das Hörspiel lebendig, es wurde nicht an Geräuschen und Hintergrundmusik gespart. Eine kleine Trivia zur Musik: bei dem abendlichen Gespräch in Skinners Wohnwagen kommt ein uraltes Musikstück zum Einsatz, das mir sofort irgendwie bekannt vorkam. Recherchen im Forum der rocky-beach.com ergaben: es scheint sich hier um In the Middle Of The Night zu handeln, welches bereits in verschiedenen EUROPA-Produktionen verwendet wurde, z.B. bei den Drei Fragezeichen in der Folge 37 „Der heimliche Hehler“. In The Middle Of The Night ist dabei nicht der offizielle Titel, sondern ein von Fans der Serie erdachter Name.

Bei dem Streit zwischen Bob und seinen Eltern, der dazu führt, dass der dritte Detektiv doch nicht mit auf die Familienfahrt zu seiner nervigen Cousine Mary kommt (wovon Justus und Peter aber nichts wissen können und ihn daher später auch nicht vermissen), bin ich mir noch uneinig, ob ich ihn nur schlecht gespielt oder völlig überflüssig finden soll. Besonders die Interaktion zwischen Mr. und Mrs. Andrews ist irgendwie merkwürdig und die Sprecher gefallen mir auch nicht. Im direkten Vergleich klingen seine Eltern fast jünger als Bob selbst…

Was ich gut finde, ist die Tatsache, dass in dieser Folge die Geschichte um die drei Jungs in den Vordergrund gerückt wird. Der eigentliche Fall für die Detektive ist an sich wenig spektakulär: durch das Aufeinandertreffen von Spießbürgertum und einer alternativen Jugendbewegung entsteht im beschaulichen Vorort Seven Pines eine enorme Aggression, die auf beiden Seiten zu eskalieren droht. Eine sich anbahnende Familientragödie um Beatrix Fraser verschärft die gesamte Situation noch. Als Krimi-Story ist das sicherlich nicht superspannend, allerdings durchaus dramatisch und auf jeden Fall interessant. Das enorme Konfliktpotenzial bei den kollidierenden gegensätzlichen Lebensentwürfen ist realistisch und kommt nicht nur in den USA vor. Die beiden entführten Dinge, um die es zwischenzeitlich geht – der Bonsai und der Leguan – sind in meinen Augen übrigens wirklich toll gewählte Sinnbilder für diese beiden Parteien und ihre jeweilige Weltanschauung. Der Bonsai als Inbegriff der kultivierten, also vom Menschen bearbeiteten Pflanze und Stellvertreter der Gartenkunst gegenüber dem Leguan als exotisches, ausgefallenes „Haustier“, das nicht im eigentlichen Sinne domestiziert werden kann.

Dass ausgerechnet ein alter Bekannter der drei Fragezeichen den „Jungen ohne Namen“ eine „neue“ Identität gibt, ist in meinen Augen eine reizvolle Idee. Der sich daraus ergebene Dialog zwischen Skinny und Bob ist sehr gelungen. Andreas von der Meden nutzt die Möglichkeit, innerhalb eines längeren Auftritts von Norris, der hier ausnahmsweise ganz ohne gegenseitige Beleidigungen auskommt, den Charakter von einer neuen Seite zu zeigen. Gleichzeitig erfährt man auch etwas mehr von der Sichtweise der Camper. Natürlich lässt Skinny es sich auch nicht nehmen, den armen Bob gehörig gegen seine besten Freunde aufzuhetzen – und hat damit Erfolg. Bei einer nächtlichen Begegnung mit Peter und Justus verliert Bob die Nerven und schießt sogar mit einer Armbrust auf seine Freunde. Andreas Fröhlich in der Rolle des sonst so friedfertigen Bob, der hier total durchdreht, ist großartig. Auch das Zusammenspiel mit Jens Wawrczeck als Peter, der seinem Freund völlig fassungslos gegenübersteht, ist gut gelungen.

Die „Aufarbeitung“ dieses doch ziemlich verstörenden Vorfalls, also die Szene, nachdem sich Bob bei der Prügelei mit Peter ein weiteres Mal den Kopf gehörig angestoßen und sein Gedächtnis zurückerlangt hat, finde ich persönlich eher unbefriedigend. Die Geschichte wird in wenigen Sätzen abgehandelt, Bob und Peter dürfen sich einmal fest drücken (awww….) und schon konzentriert sich unser Erster wieder auf den Fall… okay, so kennen (und lieben) wir unseren Justus, aber trotzdem hätte ich mir hier einfach ein wenig… mehr gewünscht. Zumal wir ja im 21. Jahrhundert angelangt sind und auch „Echte Kerle“ Gefühle zeigen dürfen! 🙂 Da ich das Buch nicht gelesen habe, kann ich leider nicht sagen, ob die Geschichte hier unter der Hörspielfassung leiden musste oder ob es bei der Buchvorlage ähnlich angelegt war. Dafür kommt es gegen Ende noch mal zu einer Konfrontation zwischen Skinny und Bob.

Womit wir noch bei einem echten Wehmutstropfen der Folge wären… dem Ende. Die Tragödie um Beatrix Fraser, die sich von Vater und Exfreund vernachlässigt fühlt, erreicht ihren Höhepunkt – dieser wird allerdings nicht weiter von ihr selbst, sondern von den Anwohner von Seven Pines und den Campern in einer solidarischen Aktion inszeniert. Der Showdown in der Halle hätte es normalerweise vom Spannungsbogen her nicht unbedingt nötig gehabt, dass zusätzlich noch ein Erdbeben das Leben aller Beteiligten gefährdet. Das war für mich irgendwie zuviel des Guten. Bob will Skinny retten, bringt sich selbst in Lebensgefahr und wird dann seinerseits von diesem gerettet. Statt Rache und Macht offenbart sich ein weiteres (vielleicht sogar das wichtigste) Motiv des „Schurken“: Einsamkeit bzw. der Wunsch nach einem echten Freund. An dieser Stelle bin ich mir auch noch uneinig, was ich davon halten soll. Der Lieblings-Erzfeind der Drei als einsamer junger Mann, der eigentlich gerne mit Bob befreundet sein möchte – diese Vorstellung mag bei hartgesottenen Klassiker-Fans vielleicht zunächst Befremden auslösen. Ich finde es aber gut, dass es solche „Stammfiguren“ gibt, die immer mal wieder auftauchen und auch eigenständige Entwicklungen durchlaufen. Und, ausgehend von der Konversation Skinny – Bob/Stan ist diese Entwicklung in meinen Augen nachvollziehbar. Zwar spielt Norris seine Rettungsaktion etwas hinunter, indem er Bob wieder mit Stan anspricht, aber trotz ihrer mit Auseinandersetzungen belasteten Vergangenheit ist er hier nicht länger die eindimensionale Figur des unsympathischen Kleinkriminellen. Ein ähnliches Phänomen gab es auch schon einmal mit Victor Hugenay. Das zeichnet diese Hörspielserie vielleicht auch irgendwie aus… auch Verbrecher sind Menschen, die nicht immer von Grund auf böse sind und ihre ganz eigene Geschichte haben. Dieser Effekt wird noch dadurch unterstrichen, dass der Fall am Ende zwar gelöst wird, es aber zu keiner Anzeige kommt. Inspektor Cotta muss in dieser Folge einmal nicht ausrücken, was ihm sicherlich auch mal ganz recht ist.

Und dann? Ende gut, alles gut. Es folgt der obligatorische Abschlusslacher, bei dem auch alle schön mitmachen, und es ist wieder „alles im Lot“ in Rocky Beach, wie Peter so schön sagt.

Insgesamt denke ich, dass ich zu diesem Hörspiel sehr gerne noch einige Male mehr einschlafen werde… und das ist für eine Die Drei ??? Folge in jedem Fall ein Kompliment! 🙂

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